Team Blickkontakt

IRM
Since 07/2023 69 Episoden

Mpiima Ibrahim

Würde verteidigen, wo Pipelines verlaufen

12.05.2026 43 min

Zusammenfassung & Show Notes

In dieser Folge spreche ich mit Ibrahim Mpiima, Klimagerechtigkeitsaktivist aus Uganda und Teil des XR Justice Movement Uganda. Ibrahims Engagement entspringt keiner abstrakten Inspiration, sondern persönlicher Verzweiflung: Seine Großmutter wurde im Zuge des EACOP-Projekts (East African Crude Oil Pipeline) von ihrem Land in Hoima vertrieben, nie angemessen entschädigt – und starb zwei Wochen nach ihrer Ankunft in Kampala. Schweigen, sagt er, wäre Verrat an ihr und an künftigen Generationen.

Was Extraktivismus konkret bedeutet: Ibrahim macht greifbar, was in Europa oft nur theoretisch bekannt ist. Die EACOP-Pipeline wird zu 62 % von TotalEnergies (Frankreich) finanziert, Uganda und Tansania halten je 15 %, CNOOC (China) 8 %. Die Lasten tragen lokale Gemeinschaften: Über 50 Flüsse sind verschmutzt, Wälder gerodet, Wildtiere vertrieben, Menschen ohne Zustimmung umgesiedelt, die Pipeline wird von einer Armee bewacht, die Anwohner einschüchtert. Profite fließen ab, Schäden bleiben.

Wie Bewegung entsteht: Ibrahim beschreibt eindrucksvoll, wie er mit Bauern, Studierenden, Marktverkäuferinnen, Vertriebenen und politisch Verfolgten Vertrauen aufbaut. Sein Kernsatz: Viele Bewegungen scheitern, weil sie mit Ideologie beginnen statt mit Beziehungen. Echte Kohärenz entsteht durch Zuhören, durch einfache Fragen („Was schmerzt in eurer Gemeinschaft? Was fürchtet ihr zu verlieren?"), durch gemeinsames Handeln im Kleinen – Aufräumaktionen, Gespräche, geteilte Mahlzeiten – und durch emotionale Ehrlichkeit, die Verletzlichkeit zulässt, ohne in Hoffnungslosigkeit zu verfallen.

Eine Beobachtung über uns: Auf seine Zeit in den Niederlanden zurückblickend wundert sich Ibrahim, wie roboterhaft Menschen aneinander vorbeigingen. In Uganda sei der Mensch noch ein Gemeinschaftskind. Wer in entkoppelten Kulturen etwas Ähnliches aufbauen will, dem rät er: klein und lokal anfangen, zuhören vor dem Führen, keine fertigen Antworten mitbringen, Strukturen aus Beziehungen wachsen lassen, Führung verteilen – und sich auf Repression vorbereiten.

Die unsichtbare Wahrheit: Menschen sind anpassungsfähig – im Guten wie im Schlechten. Wer Schweigen übt, wird schweigsam; wer Mut übt, dem wird Mut normal. Und tiefer noch: Menschen wollen nicht nur überleben, sie wollen Würde, Zugehörigkeit, Sinn. Genau hier liegt nach Ibrahim die Kraft jeder ernsthaften Bewegung.
Ein Gespräch über Trauer, Mut und die politische Kraft echter Beziehungen – und ein Aufruf, das extraktive Paradigma zu durchbrechen, bevor es die Lebensgrundlagen aller zerstört.

Links zur Bewegung – XR Justice Movement Uganda:
  • Website: https://www.xrjusticemovementug.com/
  • X (Twitter): https://x.com/justiceug256
  • Instagram: https://www.instagram.com/justiceug256
Ibrahim Mpiima persönlich:
  • X (Twitter): https://x.com/ebrahym68
  • Instagram: https://www.instagram.com/mpiima_ibrah
  • LinkedIn: https://www.linkedin.com/in/mpiima-ibrahim-6a57303a1
  • Bluesky: https://bsky.app/profile/ebrahym.bsky.social